Tanz auf einem Bein – Was ein Flamingo über das Leben erzählt
Ich habe einen Flamingo gemalt. Einen sanft roséfarbenen, wie man ihn aus Büchern kennt, einen, der in Farben schwelgt, als hätte er das gesamte Spektrum des Himmels aufgesogen. Seine Form löst sich in wilden Pinselstrichen auf, sein Körper tanzt zwischen Blau, Orange und fließendem Sand. Er steht auf einem Bein, balanciert sich aus, als wäre das nichts weiter als ein natürlicher Zustand, eine Selbstverständlichkeit des Seins.
Ich betrachte ihn lange, während ich in meiner Vorstellung seinen Federkleidern Leben einhauche. Da ist etwas in ihm, das mir vertraut vorkommt. Die Art, wie er auf einem Bein ruht, wie er unerschütterlich bleibt, während um ihn herum Wellen schlagen. Sein Stand ist kein Zeichen der Starre, sondern der Anpassungsfähigkeit. Er bewegt sich mit dem Wind, ohne seinen Mittelpunkt zu verlieren.
Vielleicht ist das Leben genau das. Ein ständiges Balancieren zwischen Ruhe und Sturm, zwischen Chaos und Klarheit. Mal erfordert es, dass wir sicher mit beiden Beinen auf der Erde stehen, mal, dass wir die Kunst beherrschen, auf einem Bein zu tanzen. Dass wir darauf vertrauen, nicht umzufallen, auch wenn es wackelt. Dass wir die Stürme durchstehen, ohne zu vergessen, wer wir sind.
Während ich meinen Flamingo betrachte, frage ich mich, wie oft ich selbst in meinem Leben auf einem Bein stand. Wie oft ich gezweifelt habe, ob meine Balance ausreicht. Und wie oft sich herausstellte, dass sie es tat. Vielleicht mehr, als ich dachte.
Vielleicht ist es an der Zeit, nicht nur zu stehen, sondern zu tanzen.

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